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Programm

Kino

18:00 Uhr Pride

20.15 Uhr Master of the Universe 

22.00 Uhr Frohes Schaffen 

00.00 Uhr Der Mann mit der Kamera 


Theater

Kleiner Saal

19:30 Uhr Brauseboys

20.30 Uhr Anarchistische Musikwirtschaft

00:00 Uhr Lari und die Pausenmusik


Großer Saal

22.00 Uhr Gespräch mit Rainer Voss

23.00 Uhr Riders Connection

 

Slaughterhouse

23.00 Sonne Ra

00.00 PTK

01.00 Morlockk Dilemma

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Der Mann mit der Kamera  oder Chelovek s kinoapparatom,  UdSSR 1929,  Directed by Dziga Vertov 

 

Release Dates 

Soviet Union

8 January 1929

(Kiev)

Soviet Union

9 April 1929

(Moscow)

USA

12 May 1929

Germany

July 1929

(limited)

 

Writing Credits:

Dziga Vertov

...

(scenario)

 

Cast

Mikhail Kaufman

...

The Cameraman

 

Music by 

Pierre Henry

...

(1993)

Nigel Humberstone

...

(as In the Nursery) (1999)

Konstantin Listov

Michael Nyman

...

(2002)

 

Cinematography by 

Mikhail Kaufman

Gleb Troyanski

...

(uncredited)

 

Film Editing by 

Dziga Vertov

 

Editorial Department 

Elizaveta Svilova

...

assistant editor

 

Music Department 

Galeshka Moravioff

...

composer/musician

 

Filming Locations

Kiev, Ukraine

Kharkov, Ukraine

Moscow, Russia

Odessa, Ukraine

 

 

Runtime

1 hr 8 min (68 min)

Sound Mix

Silent

Color

Black and White

Aspect Ratio

1.33 : 1

Film Length

1.889 m
(6 reels)

Negative Format

35 mm

Cinematographic Process

Spherical

Printed Film Format

35 mm
Digital (Digital Cinema Package DCP)

 

Inhalt:

Impressionen vom Erwachen, der Arbeit und Freizeit in einer russischen Stadt am Ausgang der 20er-Jahre, festgehalten vom Kameramann Mikhail Kaufman, der oftmals selbst im Bild zu sehen ist, und sich hier bei der Arbeit von seinen Assistenten filmen lässt. Für beinahe einen ganzen Tag lässt Kaufman seine Kamera Eindrücke sammeln, stellt Wirkungen seines Arbeitsgeräts auf die Menschen dar und dokumentiert den sozialistischen Alltag. 

 

Kritik:

Als ich mich auf dieses Essay zu Chelovek S Kinoapparatom vorbereitete und während dieser Zeit den Film erneut mehrfach ansah, geriet ich in eine etwas missliche Lage hinsichtlich der Schwerpunktsetzung in dieser Besprechung: Wie sollte ich vermitteln, dass Vertovs Meisterwerk trotz all seiner filmästhetischen Theoriebezogenheit, trotz seiner teils propagandistischen Wirkungen und trotz seiner scheinbar oftmals sehr artifiziellen Erscheinung ein Film ist, dessen Anschauen pures Vergnügen ist, und gleichzeitig diesen Punkten irgendwo gerecht werden, da sie es letztlich waren, die Chelovek S Kinoapparatom seinen Platz in der Filmgeschichte sicherten. Wenn man heute Essays über diesen, wohl einen der legendärsten Experimentalfilme liest, fühlt man sich schier erschlagen von hoher Filmtheorie, von den Gedankenmodellen der sowjetischen Montagetechnik und langen kulturphilosophischen Diskursen über den Film und vor allem die Zeiten und Umstände, in und unter denen er entstanden ist. Als ich Chelovek S Kinoapparatom erstmals sah, wusste ich wenig über Eisenstein, noch weniger über Vertov und fast gar nichts über Begriffe wie die Gruppe der "Kinoki", die Vertov leitete. Trotz meines Unwissens über die Umstände und Entstehungsprozesse der Kunst verschlug mir deren Resultat jedoch den Atem, faszinierte und vereinnahmte mich in ihrer immensen filmischen Virtuosität.

 

Dziga Vertov legte seinen Film als wegweisendes Experiment an: Er wollte, wie es im Vorspann des Werkes (nebenbei bemerkt die einzigen Schrifttafeln im Film) vollmundig angekündigt wird, eine eigene, internationale Sprache des Kinos kreieren; quasi beweisen, dass der Film eine völlig eigenständige Kunstform ist, unabhängig von allen anderen. Hierzu musste ein Kunstwerk entstehen, das der totalen Abkapselung von den dem Film am nächsten verwandten Kunstgattungen unterworfen war - dem Theater und der Literatur. Beide liefern "normalerweise" unersetzliche Bestandteile für die Entstehung eines Filmes, nämlich das narrative (literarische) und das inszenierende, darstellende und gestaltende (theatralische) Element. Folgerichtig verzichtete Vertov auf jede Form von Dramaturgie und Gestaltung, sondern beließ es bei non-linearen, dokumentarischen Impressionen und setzte allein auf die Wirkung der Montage. Hierbei ist Chelovek S Kinoapparatom jedoch keineswegs als Ausnahmeerscheinung und einmaliges Experiment im Schaffen des Filmemachers anzusehen, sondern stellte lediglich die "Krönung" einer filmtheoretischen und praktischen Entwicklung dar, die Vertov letztlich zum Dogma erhob: Filme sollten - ganz generell und ausnahmslos - das "Leben so zeigen, wie es ist"; jede Art von Inszenierung war Verfälschung und reine Dummheit für ebenso dumme Zuschauer. Dass aber schon und gerade die Montage, dieses geniale und berühmte Werkzeug der sowjetischen Filmemacher der Stummfilmzeit, vielleicht mehr verfälschend und weniger wahrheitsgetreu sein kann, als alle "harmlose" Inszenierung, bricht Vertovs Ideal letztlich praktisch das Genick und wird vor allem im (auch dokumentarischen) Propagandakino der Sowjetunion als wohl am meisten gestaltende, inszenierende und umformende Filmbearbeitung überhaupt entlarvt.